Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner.

Oskar Kokoschka (1886-1980)

Rathenow – Wiege der optischen Industrie

Das 1216 erstmals urkundlich erwähnte Rathenow entwickelte sich im 18. Jh. zur preußischen Garnisonsstadt. Zu Beginn des 19. Jh. gründete der Prediger Johann Heinrich August Duncker die „Optische Industrie Anstalt". Er legte damit den Grundstein für die bis heute in der Stadt ansässige optische Industrie Rathenows.

 

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Innenstadt starke Zerstörungen. Seit Anfang der 90er Jahre erfährt die Altstadt eine umfangreiche Sanierung: Auf der von Schleusenkanal und Havel gebildeten Altstadtinsel erhielt die romanische St. Marien-Andreas-Kirche im Jahr 2002 ihren Turm zurück. Die Stadt hat damit einen markanten Punkt ihrer historischen Silhouette zurückgewonnen. Weitere Gebäude auf dem Kirchberg wurden in Stand gesetzt, darunter das älteste Gebäude Rathenows aus dem Jahr 1575 sowie das Geburtshaus Johann Heinrich August Dunckers. Die 2002 vollendete Kirchbergbrücke verbindet erstmals nach 700 Jahren das Naherholungsgebiet Weinberg – Standort der LAGA 2006 – wieder mit dem Altstadtkern auf dem Kirchberg.

Östlich der Altstadtinsel ließ König Friedrich Wilhelm I. von 1732 bis 1738 für seine Soldaten die barocke Neustadt errichten. Heute erstrahlen die historischen Fassaden einiger Häuser in neuem Glanz. Über den Schleusenplatz wacht die imposante Sandstein-Großplastik des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Großvater des Soldatenkönigs. Mit der Landesgartenschau erhielt Rathenow die Chance, wichtige Grünbereiche neu zu entwickeln und dauerhaft neu zu nutzen. Mit einer durchgehenden Uferpromenade rund um die Altstadtinsel erhöht sich die Aufenthaltsqualität im Zentrum.

Premnitz

Eingebettet zwischen den Flussniederungen der Havel und ausgedehnten Wäldern liegt die kleine Industriestadt Premnitz. Die Nähe zur Havel prägte die Geschichte von Anfang an. Erstmals 1375 in einem Steuerregister Kaiser Karls IV. als „Prebenitz" urkundlich erwähnt, entwickelte sich der Ort zu einem für das ländliche Havelland typischen Fischer- und Bauerndorf. Der Fluss als Transportweg und Wasserspender ermöglichte die industrielle Entfaltung zu Beginn des 20. Jh. In rascher Folge entstanden eine Pulverfabrik sowie Fabriken zur Herstellung von Kunstfasern. Innerhalb weniger Jahrzehnte wuchs die Bevölkerung von nicht einmal 500 auf mehr als 10.000 Einwohner an. Während des ersten Weltkriegs erfuhr Premnitz eine rasante städtebauliche Entwicklung: Arbeiterkolonien, Ledigenheime und ein Kaufhaus wurden errichtet. Einige der Gebäude sind bis heute erhalten und werden genutzt, z. B. von der Stadtverwaltung. Ein Skulpturenrundweg im neu gestalteten Zentrum greift die Geschichte von Premnitz auf. Vor allem havelländische Künstler schufen im Auftrag der Stadt ein interessantes Konzept von Kunstobjekten. Wechselnde Objekte bestimmen die Sichtachsen in der Ortsmitte. Für Aufsehen sorgt die Galiarde – eine Frauenfigur, die Geschichte und Zukunft von Premnitz versinnbildlicht. Am Ufer stehend, schaut sie mit klarem Blick weit ins Havelland hinaus.

Ribbeck

Ein Birnbaum hat das malerische Dorf Ribbeck berühmt gemacht. Den märkischen Dichter Theodor Fontane inspirierte eine alte Sage zu seinem bekannten Gedicht "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland". Heute spiegelt das Dorf die Lebensverhältnisse in einem typischen märkischen Landgut wider: Das Schloss der Familie Ribbeck, die Kirche, die alte Brennerei sowie zahlreiche weitere Wirtschaftsgebäude sind erhalten.

Kirche und Birnbaum

Der historische Birnbaum aus dem Fontane-Gedicht fiel 1911 einem Sturm zum Opfer. Sein Stumpf wird heute in der hübsch restaurierten, im Kern mittelalterlichen Kirche aufbewahrt. Ein neuer Birnbaum ist an alter Stelle zu bewundern.

Schloss Ribbeck

Das Herrenhaus war bis 1943 im Besitz der Familie von Ribbeck. Das zwischenzeitlich als Seniorenheim genutzte Schloss soll saniert werden und als Tourismus- und Dienstleistungszentrum zu einer Perle des Havellands erblühen.

Groß Behnitz

Als 1866 der Berliner Lokomotivenhersteller Albert Borsig Gutshof, Schloss und Landschaftspark Groß Behnitz erwarb, nahm der kleine Ort einen jähen Aufschwung. Ein ganzes Ensemble von Bauten entstand, darunter auch das repräsentative Eingangstor mit Sandsteintrophäen des Oranienburger Tors in Berlin. Mit Leidenschaft widmete sich der Industrielle seinen neuen Aufgaben in der Landwirtschaft und Parkgestaltung. Der Park nach Lennéschem Vorbild ist heute denkmalgeschützt. 1923 hatte sich der Gutshof zu einem 2.700 Hektar großen agrarindustriellen Musterbetrieb entwickelt. Dampfpflüge und andere moderne landwirtschaftliche Maschinen kamen zum Einsatz. Soziales Engagement und die Förderung von Bildung und Kunst kennzeichneten das Engagement der Borsigs in Groß Behnitz. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die Ära Borsig. 1947 wurde das Schloss nach einem Dachstuhlbrand abgerissen.

Landgut Borsig

Nach dem Verkauf des Gutes an Privatinvestoren und der Gründung eines Fördervereins im Jahr 2000 erfolgen nun Maßnahmen, das Ensemble zu revitalisieren. Das Verwaltungsgebäude wird saniert, große Teile des Rinderstalls, der Brennerei und des Kornspeichers werden gesichert. Eine Dauerausstellung zur Geschichte der Region und des Gutes begleitet die Restaurierung. Das authentische Denkmalensemble bietet eine Plattform für landwirtschaftliche, ökologische und handwerkliche Produkte der Region.

Kleßen

Mitten im Dorf, nah der Kirche, liegt auf einer kleinen Anhöhe Schloss Kleßen. Der Märkische Gutsgarten, ein formaler Garten mit verschiedenen Heckenräumen, umgibt das Herrenhaus. Die farbliche Gestaltung verweist auf die englische Gartenkunst und vermittelt einen intimen Eindruck. Zusätzlich sehenswert ist der ehemalige Englische Park von 1797, durch den man zum Badesee gelangt, welcher schon von Fontane begeistert beschrieben wurde.

Schloss Kleßen

Die Dreiflügelanlage wurde 1723 durch die Adelsfamilie von Bredow im barocken Stil gebaut und nach 1858 klassizistisch überformt. Als 1980 die Nutzung durch eine Kindertagesstätte endete, begann ein dramatischer Verfall. Nur der mutigen Initiative einer privaten Eigentümerfamilie, die das Haus seit Mitte der 90er Jahre mit großer Sachkenntnis denkmalgerecht sanierte, ist es zu verdanken, dass Schloss und Nebengebäude heute in neuem Glanz erstrahlen.

Spielzeugmuseum

In der alten Dorfschule kann man heute das erste Spielzeugmuseum im Havelland besuchen. Spielzeug erzählt Geschichte und Geschichten. Die Ausstellung ist wie eine Reise in die Kindheit für Jung und Alt – es werden 150 Jahre Kinderstube lebendig. Ein Museumsshop und ein Café laden zum Verweilen ein.

Nennhausen

Mitten im havelländischen Luch, umgeben von ausgedehnten Wäldern und Wiesen, liegt "Nennhausen im Nusswinkel". Der Name erinnert an die vielen Haselnussbüsche, die früher hier wuchsen.

Kirche und Gärtnerhaus

In der Kirche aus dem Jahr 1613 erinnern ein Kavalierdegen und ein stilisiertes Schild an den romantischen Dichter Fouqué; ein wertvolles Relief aus Alabaster und Marmor verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Am Dorfplatz liegt auch das älteste Haus des Ortes von 1719, das Gärtnerhaus. Darin werden Ausstellungen zur Ortsgeschichte gezeigt.

Schloss Nennhausen

Das im englischen Tudorstil überformte Barockschloss ist seit 2001 umfassend saniert. Ein Landschaftspark im englischen Stil lädt zum Verweilen ein. Einst wohnte der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué im Schloss. Gemeinsam mit seiner Frau Caroline von Briest unterhielt er dort von 1803 bis 1833 einen märkischen Musenhof. Zeitgenössische Persönlichkeiten wie Chamisso, Humboldt, Schlegel, Kleist und E. T. A. Hoffmann waren Gäste des ländlich-literarischen Salons.

Liepe


Auf direktem Wege zwischen Rathenow und Berlin liegt das alte Rittergut im Dorf Liepe. Mitte des 19. Jh. errichtete die Familie von Bredow ein zinnengeschmücktes Herrenhaus gegenüber der damals noch spätmittelalterlichen Dorfkirche. Zu der Gutsanlage aus Backstein gehörten der Hof mit Brennerei und mehrere Nebengebäude. Um den Gutshof herum entwarf der preußische Hofgärtner Gustav Adolph Fintelmann 1852 einen üppigen Garten im englischen Stil, von dem fast nichts erhalten blieb.

Gutshof Liepe

An die alten gärtnerischen Traditionen anknüpfend, entsteht ein abwechslungsreicher Erlebnisgarten. Der Garten soll als Vision der klassischen "Ornamented Farm" auf die versunkene Gartenlandschaft Fintelmanns verweisen. In dieser Sonderform des englischen Landschaftsgartens verbinden sich schöne Gestaltung und ökonomischer Nutzen. Ausgedehnte Wege entlang von Blumenwiesen und Teichen, Skulpturengalerie, Weidentunnel und Laubengänge schmücken die Gartenlandschaft. Ein Marktplatz mit Slawenburg und Spielplatz bestimmen hingegen den Wirtschaftshof, der nicht nur zu Veranstaltungen einen erlebnisreichen Aufenthalt verspricht.

Stölln

Berühmt wurde Stölln durch die Flugversuche Otto Lilienthals – als erster Flieger der Welt ging er in die Geschichte ein. Am Stöllner Gollenberg fand Lilienthal für seine Methode "Vom Sprung zum Flug" ideale Bedingungen. Am 9. August 1896 verunglückte der Pionier mit seinem Flugapparat. Einen Tag später verstarb er in Berlin an den Folgen seiner inneren Verletzungen. 1989 landete eine russische Iljuschin 62 auf dem ältesten Flugplatz der Welt in Stölln. Mit diesem Manöver erlebte der Ort ein weiteres flughistorisches Ereignis. Flugfans können die spektakuläre Landung im Bauch der Maschine auf einem Video nachvollziehen. Heiratswillige können sich das Ja-Wort geben – im Heck der Maschine befindet sich ein Standesamt.

Otto-Lilienthal-Centrum

In fußläufiger Entfernung zum Gollenberg befindet sich in der Ortsmitte dank der Initiative des "Otto-Lilienthal-Vereins" eine weitere Attraktion: In der alten Brennerei soll das Lilienthal-Centrum eingerichtet werden. Unweit des Gasthofs "Zum 1. Flieger", in dem seinerzeit schon Lilienthal residierte, sollen dort auf rund 800 qm Ausstellungen rund ums Fliegen gezeigt werden.

Romantische Landschaftsparks

Spät entwickelte sich im dünn besiedelten Havelland eine Gartenkultur. Zu einer Blüte kam die Gartenkunst erst, als Anfang des 18. Jh. Adlige begannen, ihre bis dahin eher bescheidenen Herrenhäuser repräsentativ auszubauen. Sichtbare Zeichen des neuen Selbstbewusstseins waren die Gärten: In Nennhausen, Senzke und Wagenitz. Ende des 18. Jh. erfuhren diese Anlagen eine Überformung nach englischen Vorbildern, neue Gärten im Geist der Zeit wurden geschaffen. Ausgedehnte Landschaftsparks existierten schließlich in Nennhausen, Senzke, Wagenitz, Groß Behnitz, Kotzen und Landin.

Gartenkultur

Der größte Naturpark Brandenburgs erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 1.315 qkm an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Darin eingebettet liegt die Niederung der Unteren Havel. Wasser, weite Niederungen, waldreiche Erhebungen und kleine, märkische Ortschaften mit Fachwerkhäusern und Ziegelbauten charakterisieren die Landschaft zwischen Brandenburg an der Havel, Friesack und Neustadt an der Dosse.

Besucherzentrum Naturpark Westhavelland in Milow

Auf über 100 qm Ausstellungsfläche erhalten die Besucher einen Überblick über den Naturpark Westhavelland. Mit einigen Zug- und Standvogelarten können sich die Besucher vor Ort vertraut machen. Hauptziel ist es, den Naturpark Westhavelland zu fördern und bekannt zu machen. Eine schonend genutzte, möglichst naturnahe Landschaft, die für Bewohner wie für Touristen lebens- und erlebenswert ist, soll erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Mit geführten Touren wollen Ranger und Naturführer im Naturpark Westhavelland "Lust auf NaTour" machen.