Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ist´s.

Friedrich Schiller (1759-1805)

Der am 14. Februar 1899 in Oberhohenelbe/Riesengebirge geborene Edwin Rolf erlernte den Beruf des Maschinenschlossers und Elektrikers. Im Fernstudium qualifizierte er sich weiter zum Maschinenbau- und Elektroingenieur. 1929 fertigte er in seiner Maschinenfabrik in Kottwitz bei Arnau das erste eigene Medial-Fernrohr mit einer Öffnung von 206 mm an. Er stellte viele astronomische Fernrohre, Kameras sowie optische Systeme her, hielt Vorträge und wurde als Fachredner geschätzt.

Mit einer Anzeige suchte die Emil Busch AG aus Rathenow einen Ingenieur für Feinmechanik. Mit Datum vom 22. Juli 1940 bewarb sich Edwin Rolf bei der Emil Busch AG. Beide Seiten wurden schnell einig, die Firma bezahlte darüber hinaus den Umzug und Edwin Rolf wurde bei der Firma, die in Serien astronomische Fernrohre herstellte, angestellt. Mit seiner Frau Irma, die er 1937 heiratete, zog er 1940 in die Stadt der Optik. Wegen seiner Kenntnisse in der Anfertigung von Spezialoptiken, der Herstellung von Schleifmaschinen für diese Optiken und der Konstruktion von astronomischen Geräten, wurde er ein wertvoller Erfahrungsträger für die Rathenower Firma.

 

Er arbeitete bis zum Ende des 2. Weltkrieges bei der Emil Busch AG. Danach führte Edwin Rolf privat weitere Berechnungen zu Brachymedial-Fernrohren durch, konstruierte und fertigte in eigener Werkstatt verschiedene astronomische Fernrohre. Von 1949 bis 1953 wurde von ihm die Optik für das größte Brachymedial-Fernrohr der Welt berechnet, das Fernrohr hergestellt und auf seinem Grundstück aufgebaut. Er wurde wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin und erhielt etliche Urkunden. In seiner Sternwarte in der Leibnitzstraße in Rathenow gab er Jugendlichen sein Fachwissen weiter. Am 25. März 1991 ist Edwin Rolf in Rathenow gestorben. An seine Ideen, Berechnungen und Konstruktionen, an das besondere Talent zu improvisieren und an sein Bestreben, die Amateurastronomie zu vermitteln, erinnert das Fernrohr im Optikpark Rathenow.

Aus Anlass des 20. Todestages von Edwin Rolf (25.03.1991) wurden am Vorabend der Langen Nacht der Optik 2011 im Neuen Zellenspeicher des Optikpark eine Ausstellung über ihn eröffnet sowie ein längerer Film zu seiner Arbeit und Bedeutung gezeigt.

Ein Zitat Edwin Rolfs aus der Nachkriegszeit belegt seine tiefe Menschlichkeit und sein Anliegen, möglichst vielen Menschen Technik zugänglich zu machen.

„Was sagen uns die Sterne? Es bleibt uns eine Verpflichtung, das im Fernrohr Geschaute möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, damit die so verhängnisvolle Selbstüberheblichkeit verschwindet. Allen möchte ich noch einmal, bevor es zu spät ist, bevor noch von neuem aus den Läufen unserer Waffen der Tod in die Herzen schuldloser Mitmenschen getragen wird, bevor noch einmal die in so entsagungsreicher Arbeit geschaffenen Werte zerstört werden, bevor radioaktive Stoffe unseren Planeten verseuchen oder gar gänzlich von jedem Leben befreien, als dringende Mahnung zurufen: Schaut auf nach den Sternen, damit ihr dann rückblickend auf unsere kleine Erde, eure Mitmenschen verstehen lernt.“

Text: Rolf Merkel, Verein zur Förderung, Pflege und Erhaltung der optischen Traditionen in Rathenow e.V.