Die Pracht der Gärten aber hat stets die Liebe zur Natur zur Voraussetzung.

Germaine Baronin von Stael (1766-1817)

Rathenow und Weltzeituhr – wie passt das zusammen? Der Karpfenteich im Optikpark kann über eine aufwändig gestaltete Steganlage trockenen Fußes überquert werden. Sie wurde zur Landesgartenschau 2006 errichtet. Ihre elliptisch angelegten Stege stellen symbolhaft den Lauf von Planeten dar und weisen auf die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Berlin hin, die in Rathenow geplant und dort auch zum größten Teil gebaut wurde.

Die Urania-Weltzeituhr ist eine Uhrenanlage in Baueinheit mit einer symbolischen Weltdarstellung. Sie enthält auf ihrer metallenen Rotunde die Namen von mehr als 140 Städten – ausgewählt nach ihrer Lage in einer der 24 Zeitzonen. Die 16 Tonnen schwere Weltzeituhr wurde feierlich am 7. Oktober 1969 zum 20. Jahrestag der DDR-Gründung der Öffentlichkeit übergeben.

 

Entworfen wurde sie im Jahr 1968 von Prof. Erich John, der damals Dozent an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin war. Er leitete auch die neunmonatigen Bauarbeiten. Ihr Bau war eine Teamarbeit von etwa 120 Fachleuten verschiedenster Gewerke. Die Idee zur Uhr kam 1968 bei der Neugestaltung einer 1966 bei Abrissarbeiten aufgefundenen Uraniasäule im Zuge der Neuplanung des Alexanderplatzes. Die Urania-Weltzeituhr war eine etwa sechs Meter hohe Straßenuhr mit Wetterstation, die von der Berliner Uhrenfabrik „Urania“ gebaut wurde. Heute ist die „Urania-Säule“ ein feststehender Begriff für alle Straßenuhren.
Über einem Steinmosaik in Form einer Windrose ist auf einer 2,70 Meter hohen Säule mit 1,50 Metern Durchmesser ein dreigeteilter Zylinder angebracht, dessen Grundfläche 24 Ecken und Seiten aufweist. Jede der 24 Seiten entspricht einer der 24 Zeitzonen der Erde. In das Aluminium sind die Namen wichtiger Städte der Zeitzone eingefräst. In diesem Zylinder dreht sich ein Stundenring. Auf diesem wandern die Stunden, farbig gekennzeichnet, durch die Zeitzonen. Über der Weltzeituhr dreht sich eine vereinfachte Darstellung des Sonnensystems mit Planeten und ihren Bahnen einmal pro Minute. Insgesamt ist die Uhr zehn Meter hoch.
Die Technik der Uhr befindet sich zwei Meter unter dem Platz in einem ca. fünf mal fünf Meter großen und rund 1,90 Meter hohen Raum. Der das Planetensystem antreibende Elektromotor und das Getriebe stammen noch aus DDR-Zeiten. Ein umgebautes Trabantgetriebe erfüllt gemeinsam mit einem Kugellager der Firma Rothe Erde seit Inbetriebnahme die wichtigste Funktion; den Antrieb des Stundenringes.
Zwischen Oktober und Dezember 1997 wurde die Uhr für 350.000 Mark unter Verantwortung des Metallrestaurators und Bildhauers Hans-Joachim Kunsch saniert. Bei der Sanierung wurden Städtenamen wie Leningrad in Sankt Petersburg, Alma Ata in Almaty aktualisiert. Insgesamt gesehen ist die 16 Tonnen schwere und zehn Meter hohe Weltzeituhr ein technisches Wunderwerk, das auf einem Windrosen-Mosaik ruht, hochkompliziert und wohl einmalig - mit dem Charme der späten 1960er Jahre.

Dem 1930 geborenen Kunstschmiedemeister Hans-Joachim Kunsch wurde am 1. Oktober 1993 der Verdienstorden des Landes Berlin verliehen.

Erich John richtete sich nach den 24 Zeitzonen, weshalb die Uhr 24 Seiten hat, die in 24 Segmenten einige Länder geografisch darstellt. In der Uhr selbst dreht sich ein farbig emaillierter Zylinder, der ein Ablesen der aktuelle Uhrzeit für alle Zeitzonen ermöglicht. Über dem Zylinder rotieren auf Metallkreisen verschiedene Kugeln, die einige Planeten auf ihren Umlaufbahnen symbolisieren.

Um die Weltzeituhr wetterfest zu machen wurde sie mit speziell geätzten Aluminiumplatten verkleidet. In dieser Aluminiumverkleidung sind die Namen bedeutender Städte, passend zur jeweiligen Weltzeit, eingraviert. Der Elektromotor, mit einem Trabant-Getriebe, der die Uhr antreibt, stammt noch aus DDR-Zeiten und hat sich als unverwüstlich erwiesen. Er befindet sich zwei Meter unter der Erde in einem etwa fünf Quadratmeter großen und fast zwei Meter hohen Raum. Die Weltzeituhr war und ist noch immer der Ort, wo man sich verabredet, wenn man sich in der City-Ost treffen will, aber auch ein beliebtes Fotomotiv.

Der Erbauer der Uhr schreibt über sein Werk: „Mein Entwurf ersetzt den Stundenzeiger durch einen Stundenring, der die Stunden, gekennzeichnet durch die Farben des Goetheschen Farbkreises, durch die 24 Zeitzonen wandern lässt. Die Tafeln der Zeitzonen ermöglichen die schriftliche Darstellung von mehr als 150 Orten im Erdkreis. Das darüber kreisende Planetensystem lässt unseren Zeitbezug zu dem Geschehen im Weltraum deutlich werden, fungiert hier mit dem durch einen Ring gekennzeichneten Saturn, aber als Minutenzeitgeber. Eine Umdrehung - eine Minute.“
Die Urania-Weltzeituhr gilt seit Mitte der 1970er Jahre als beliebter Treff- und Verabredungspunkt auf dem Berliner Alexanderplatz. Unter Berlinern gilt der Mythos, dass ein Liebespaar, das sich um 24 Uhr (Ortszeit) an der Weltzeituhr die Hände hält, für immer zusammenbleibt.